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„Kinder und Jugendliche werden häufig unterschätzt“

Clarissa Corrêa da Silva

Clarissa Corrêa da Silva moderiert das bekannte TV-Magazin „Wissen macht Ah!“ für Kinder und junggebliebene Menschen, die sich ihre Neugier auf die Welt bewahrt haben. Im Interview spricht sie über Wissbegierde, die Auswirkungen der Digitalisierung auf das Bildungssystem von morgen und ihren Besuch in der experimenta.

Wollten Sie eigentlich schon immer so viel wissen?
Das ist eine schwierige Frage, die sich aber schon fast von selbst beantwortet. Denn um etwas zu wissen oder sich mit Wissen auseinanderzusetzen, braucht es eine gewisse Neugier. Und die bekommt man quasi in die Wiege gelegt. Trotzdem gibt es immer wieder Dinge, bei denen ich denke, die wollte ich jetzt eigentlich nicht wissen.

Hat sich die Art der Wissensvermittlung in den vergangenen Jahren spürbar verändert? Welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?
Ich glaube auf jeden Fall, dass sich die Wissensvermittlung stark verändert hat – bestimmt auch von der Digitalisierung stark getrieben. Das Wissen ist schnelllebiger und flüchtiger geworden. Die Digitalisierung ermöglicht den Zugang zu Information für alle, hat aber auch kritische Seiten. Dazu gehören Fake News und die nicht immer objektive Beurteilung der Informationsquellen. Hier muss definitiv die Politik tätig und unser Bildungssystem besser werden. Es besteht ein Generationenkonflikt, manche Ältere lehnen neue Medien ab oder verteufeln sie. Wenn sich Lehrer und Eltern damit erst gar nicht beschäftigen wollen, gehört allein die junge Generation zu den Wissenden und wird damit allein gelassen. Da sehe ich die Probleme. Allein in der Schule zu sagen, wir haben ein Fach namens Medienkunde, reicht nicht aus. Der Umgang mit Medien müsste interdisziplinär durch alle Fächer gelernt werden, damit Kompetenz aufgebaut wird. Denn das Thema Digitalisierung begleitet uns auch in Zukunft.

Angenommen, Sie könnten unser Bildungssystem und gesellschaftliche Strukturen direkt beeinflussen. An welcher Stelle würden Sie als erstes ansetzen?
„Free Choice Learning“ ist ein wichtiger Schlüssel zur Bildung, aber nicht nur in den TV-Wissenssendungen eine riesige Herausforderung. Wir müssen ja ein Angebot sein, das sich die Kinder aussuchen. Wir können sie nicht zwingen und ihnen sagen: Setz dich vor den Fernseher und schau „Wissen macht Ah!“. Deswegen müssen die Sendungen so aufbereitet sein, dass die Kinder Lust darauf haben, sich nach der Schule eine halbe Stunde Wissen reinzuziehen. Während meines Studiums habe ich ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Beim Bachelorstudium ging es um Auswendiglernen und Folie XY musste eins zu eins wiedergegeben werden. Ich habe mich gefragt, warum soll ich das machen, ich muss doch nur wissen, wo es steht! Beim Master hatte ich dann ein projektbasiertes Studium. Wir haben uns ein Thema ausgesucht und uns ein Semester lang damit beschäftigt. Dabei haben wir die Aspekte ausgearbeitet, die uns wichtig waren. Das war für mich ein wichtiger Punkt, an dem ich gemerkt habe, an Schulen und Universitäten muss sich etwas ändern. Beim „Free Choice Learning“ haben wir eine ganz andere Motivation zu lernen.

Was fasziniert Sie persönlich an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?
Das Schöne an Kindern und Jugendlichen ist, dass die angeborene Neugier noch teilweise stark vorhanden ist. Bei meiner Arbeit merke ich, dass Kinder die ehrlichsten Menschen und ein dankbares Publikum mit authentischem Feedback sind. Das macht mir an meinem Job Spaß und dafür bin ich besonders dankbar. Im Medienbereich werden Kinder und Jugendliche leider häufig unterschätzt, viele nehmen sie als Publikum auf die leichte Schulter. Für mich sind Kinder- und Jugendsendungen die viel größere Herausforderung, weil man Dinge herunterbrechen und auf die Suche nach dem Kern gehen muss. Man kann nicht einfach große Worte schwingen und davon ausgehen, dass die jungen Zuschauer wissen, was damit gemeint ist. Es ist herausfordernd, unterhaltsam und eben auch interessant, Wissen zu vermitteln – ohne es wie ein Lehrer aufzudrücken. Es macht Spaß, einen anderen Blickwinkel zu suchen, um Phänomene zu erklären.

Was beeindruckt Sie besonders an der experimenta?
Abgesehen vom Interaktiven ist es der Spaßfaktor. Gamification-Ansätze sind hier sehr gut umgesetzt. Das spricht gerade auch eine jüngere Zielgruppe, mit der ich mich jetzt viel besser auskenne, total an. Es ist eben nicht der Frontalunterricht, in dem ich etwas lesen oder auswendig lernen muss. In der experimenta steht der Spaß im Vordergrund. Und das funktioniert mit vielen haptischen Erlebnissen generationenübergreifend in einer tollen Umgebung. Das Tolle an der experimenta ist, dass sie sich immer weiterbewegt und man bei jedem Besuch was Neues entdecken kann. Richtig Spaß machen mir alle Stationen, bei denen es um optische Täuschungen geht. Da bin ich im Bereich KopfSachen perfekt aufgehoben. Den Hindernisparcours mit Rauschbrille zu bewältigen, ist eine echte Herausforderung!

Zum Schluss: Guru, Nerd, Superhirn oder Weltentdecker – welcher experimenta-Typ sind Sie eigentlich?
Ich entscheide mich spontan für den Nerd. Seit Kindheitstagen kann ich mich stundenlang mit Dingen beschäftigen, die mich faszinieren oder handwerklich fordern. Ich wollte früher nicht akzeptieren, wenn etwas nicht funktioniert, und hatte eine riesige Geduld. Nach dem Abitur habe ich mich mindestens acht Wochen mit Rubiks Zauberwürfel auseinandergesetzt. Alle sagten mir, da gibt es doch Youtube-Tutorials, aber das ist für mich nicht das Gleiche. Ich muss das selber schaffen.

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