Beim Landeswettbewerb Jugend forscht in Aalen qualifizieren sich elf Projekte aus Baden-Württemberg für das Bundesfinale in Herzogenaurach. Die Bandbreite der Projekte ist groß: von der Forschung an veganen Käsealternativen über ein „verhextes“ Newtonsches Kugelstoßpendel bis zur intelligenten Unkrautvernichtung per Laserstrahl.
Leidenschaft, Durchhaltevermögen und Kreativität zeichnen die Jungforscherinnen und -forscher beim 61. Landeswettbewerb Jugend forscht in Aalen aus. Sie traten in sieben Fachgebieten mit insgesamt 61 Projekten an, von denen sich elf für das Bundesfinale vom 28. bis 31. Mai in Herzogenaurach qualifiziert haben. „Die Projekte spiegeln eine enorme Bandbreite wider. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Jugendlichen aktuelle Herausforderungen aufgreifen und erstaunliche Lösungen dafür entwickeln“, sagt Heiko Stangl, Landeswettbewerbsleiter Jugend forscht.
Neuartiges Spielbrett fördert graue Zellen
Zwei erste Preise gab es beim Landesfinale im Fachgebiet Arbeitswelt. Der 15-jährige Clemens Helling aus Wutöschingen möchte mit seinem „Notifier II“ die Arbeit von Schulsanitätern und Ersthelfenden erleichtern. Bei seinem digitalen Einsatzsystem ist das Abspeichern von Protokollen einfacher als bei herkömmlichen Systemen und es gibt Schnittstellen für die Einbindung von Drittanbietersoftware.
Bei seinem Projekt „The Brett“ erforscht Luc Bischoff (19 Jahre) aus Leonberg wie klassische Spielprinzipien durch moderne Technik neugestaltet werden können. Für sein LED-Spielbrett erhielt er ebenfalls den ersten Preis. Seine digitale Spielesammlung ermöglicht sowohl klassische Brettspiele als auch Lern-, Reaktions- und Wissensspiele. In Tests konnte er außerdem nachweisen, dass die variablen Spielmodi unter anderem die Aufmerksamkeit und Konzentration der Spielenden fördern können.
Im Fachgebiet Biologie überzeugte das Projekt „Torf ade: Damit auch die Pflanzen ein gutes Gewissen haben“ die Jury. Der 19-jährige Dennis Schneider und die 18-jährige Marah Stehle aus Ravensburg entwickelten ein torffreies Kultursubstrat aus regionalen, organischen Reststoffen wie Holzfasern, Grünkompost oder karbonisierter Klärschlammkohle. In umfangreichen Versuchen konnten sie dabei feststellen, dass einige ihrer Substratmischungen vergleichbare Ergebnisse wie torfhaltige Substrate erzielen.
Auf der Suche nach dem perfekten Käsegeschmack
Bisher gibt es noch kein veganes Ersatzprodukt, das es hinsichtlich Cremigkeit, Schmelzverhalten und Proteingehalt mit Käse aufnehmen kann. Dies möchte Timea Probost (19 Jahre) vom Jugendforschungszentrum Heilbronn ändern. Bei ihrer Forschung hat sie bereits verschiedene pflanzenbasierte Rezepturen entwickelt, experimentell verglichen und analysiert. Langfristig soll so ein gutschmeckender, nachhaltiger Käseersatz entstehen. In Aalen erzielte sie damit den ersten Platz im Fachgebiet Chemie.
Auch die 16-jährige Annika Obert vom Xenoplex Schülerforschungszentrum Gengenbach, die bereits im Vorjahr das Landesfinale in Chemie gewann, ist dieses Jahr wieder Erstplatzierte. Mit ihrem Projekt, das den Namen „Entwicklung eines Berliner-Weiß-Blau-Grün-Braun-Akkumulators“ trägt, möchte sie Energiespeicherung allein durch die Reaktionen zwischen den Oxidationsstufen des synthetischen Farbpigments Berliner Blau ermöglichen.
Wie verhalten sich Satelliten zwischen einem Planeten und mehreren seiner Monde? Und lassen sich ihre Bahnen vorausberechnen? Mit ihrer Forschungsarbeit suchen Alexander Leukert und Leon Heinisch (beide17 Jahre) aus Reutlingen nach Antworten auf diese Fragen. Sie haben dafür unter anderem ein Modell zur Untersuchung von Satellitenbahnen entworfen und sind damit die Erstplatzierten im Fachgebiet Geo- und Raumwissenschaften.
Mit KI-Modell Lungenkrebs erkennen
Auch im Fachgebiet Mathematik/Informatik gibt es zwei erste Plätze. Alois Bachmann (18 Jahre) aus Heidelberg entwickelte ein KI-Modell, das aus gesundem Gewebe lernt und Auffälligkeiten in krankem Gewebe über Rekonstruktionsfehler sichtbar macht. Mit seinem Modell, das er ständig optimiert, arbeitet er bereits vielversprechend an der Krebserkennung in Lungen.
Hinter dem zweiten Siegerprojekt „MathBattery – Numerische Simulation von ellipsoiden Aktivpartikeln in einem Akkumulator“ stecken Arthur Messerschmidt aus Bruchsal und Eric Frommherz aus Karlsbad. Die beiden 18-Jährigen analysieren elektrochemische Prozesse in Lithium-Ionen-Zellen und zeigen, wie Partikelform und Geometrie das Ladeverhalten beeinflussen.
Was passiert, wenn die Kugeln in einem Newtonschen Kugelstoßpendel durch abstoßende Magnete ersetzt werden? Dieser Frage gehen Johann Hoffmann und Till Kuhny (beide 16 Jahre) vom phaenovum Schülerforschungszentrum Lörrach-Dreiländereck nach. Durch eine eigens entwickelte Simulation gelang es ihnen, die komplexen Schwingungsmuster der „verhexten“ Pendel vorherzusagen und zu verstehen. Damit holen sie sich den ersten Platz im Fachgebiet Physik.
Intelligente Unkrautvernichtung per Laserstrahl
Technik spielt in Baden-Württemberg traditionell eine große Rolle. Wenig überraschend auch bei Jugend forscht, weshalb es auch hier zwei Projekte gibt, die den ersten Platz erzielen. Die beiden 18-jährigen Noah Schittenhelm und Maximilian Scheible vom Schülerforschungszentrum Südwürttemberg, Standort Überlingen, haben einen mobilen, kompakten Roboter zur Unkrautvernichtung entwickelt. Dieser kann Unkraut mit Hilfe einer selbst trainierten KI in Echtzeit erkennen und gezielt mit einem Laser abtöten.
Julian Scharnowski vom Jugendforschungszentrum Heilbronn konstruierte eine vakuumgestützte, kostengünstige Präzisionspinzette für den Maker-, Hobby- und Prototypenbereich. Mit seiner Pinzette können Platinen einfach und fehlerfrei bestückt werden. Der 20-Jährige erhielt dafür ebenfalls den ersten Platz im Fachgebiet Technik.
Öffentliche Feierstunde an der Hochschule Aalen
Austragungsort des 61. Jugend forscht Landeswettbewerbs Baden-Württemberg war die Hochschule Aalen. Sie gehört zusammen mit dem Science Center experimenta und dem Landesverband für naturwissenschaftlich-technische Jugendbildung (natec) zu den Pateninstitutionen des Landeswettbewerbs.
Der letzte Tag des Wettbewerbs am 27. März stand mit der Projektausstellung und der Feierstunde ganz im Zeichen der Öffentlichkeit. Zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft nahmen daran teil und würdigten die Leistungen der Nachwuchsforscherinnen und-forscher.
Weitere Informationen wie Ergebnislisten oder Informationen zu den Projekten beim Landesfinale Jugend forscht gibt es online unter: Jugend forscht Baden-Württemberg – Wir fördern Talente. .
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BU: Marah Stehle und Dennis Schneider, 1. Platz im Fachgebiet Biologie
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