Am 14. November findet in der experimenta der Berufspraxistag unter dem Motto „Technische Innovation und Nachhaltigkeit“ statt. Die Veranstaltung richtet sich an Schülerinnen und Schüler, die auf der Suche nach dem passenden Ausbildungsberuf sind. Im Interview spricht Roman Ritter von der Handwerkskammer Heilbronn-Franken über Herausforderungen und Chancen, die der Arbeitsmarkt aktuell bietet.
Herr Ritter, welche Herausforderungen gibt es beim Übergang von der Schule zur Ausbildung?
Der Übergang von der Schule in die Ausbildung ist für viele Jugendliche eine große Herausforderung. Häufig fehlen ihnen berufliche Orientierung, praktische Erfahrungen oder grundlegende Kompetenzen in Mathematik und Deutsch. Während einer Ausbildung müssen sie lernen, theoretisches Wissen praktisch anzuwenden, Verantwortung zu übernehmen und zuverlässig im Team zu arbeiten. Hinzu kommen neue Anforderungen wie körperliche Belastbarkeit und der Umgang mit Kritik. Deshalb sind eine gute Berufsorientierung, praktische Einblicke und eine individuelle Begleitung durch die Ausbildungsbetriebe besonders wichtig.
Wie findet man heraus, welcher Beruf zu einem passt?
Meiner Meinung nach findet man am besten heraus, welcher Beruf zu einem passt, indem man sich praktisch ausprobiert. Praktika, Betriebsbesuche und Gespräche mit anderen Auszubildenden helfen dabei, die eigenen Interessen und Stärken besser kennenzulernen. In Handwerksberufen ist es wichtig, verschiedene Tätigkeiten selbst auszuprobieren und einen realistischen Einblick in den Arbeitsalltag zu bekommen. Entscheidend ist, dass die eigenen Fähigkeiten, Interessen und die Anforderungen des Berufs zusammenpassen.
Das Bewerbungsschreiben kann eine große Hürde sein. Was sollten Jugendliche hierbei beachten?
Wichtig ist, dass das Bewerbungsschreiben klar, ehrlich und individuell formuliert ist. Jugendliche sollten zeigen, warum sie sich für den Beruf und den Betrieb interessieren und welche Stärken sie mitbringen. Es zählen nicht nur gute Schulnoten, sondern auch Motivation, Zuverlässigkeit und ehrliches Interesse. Mein Tipp ist, sich Unterstützung bei Lehrkräften, Eltern oder der Berufsberatung zu holen und vor allem keine Angst vor Fehlern zu haben – entscheidend ist, den ersten Schritt zu machen.
Kommt es zum Vorstellungsgespräch: Welche Tipps haben Sie?
Seid authentisch und gut vorbereitet. Informiert euch vorher über den Betrieb und überlegt euch, warum ihr diesen Beruf erlernen möchtet. Pünktlichkeit, ein freundliches Auftreten und ehrliches Interesse machen einen guten Eindruck. Gerade im Handwerk sind Motivation, Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, Neues zu lernen, besonders wichtig. Und dass man nervös ist, ist völlig normal – niemand erwartet, dass man schon alles weiß. Wichtig ist, dass man offen ist und sich etwas zutraut.
Warum sind schlechte Noten oder Fehlzeiten im Zeugnis kein K.O.-Kriterium bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz?
Ein Zeugnis zeigt nur einen Teil der Persönlichkeit und der Fähigkeiten eines Jugendlichen. Gerade im Handwerk zählen auch praktische Begabung, Motivation, Zuverlässigkeit und die Bereitschaft, Neues zu lernen. Wichtig ist, dass Jugendliche aus Fehlern lernen und zeigen, dass sie sich weiterentwickeln möchten. Mein Rat ist deshalb: Lasst euch von einem schlechten Zeugnis nicht entmutigen, sondern zeigt im Praktikum, im Bewerbungsgespräch und im persönlichen Kontakt, was wirklich in euch steckt.
Zum Schluss: Was können Jugendliche beim Berufspraxistag für die Bewerbungsphase mitnehmen?
Der Berufspraxistag bietet Jugendlichen die Chance, verschiedene Berufe und Betriebe direkt kennenzulernen und praktische Erfahrungen zu sammeln. Sie können herausfinden, wo ihre Stärken liegen, Fragen stellen und erste Kontakte zu möglichen Ausbildungsbetrieben knüpfen. Gleichzeitig bekommen sie mehr Sicherheit bei der Berufswahl und können diese Erfahrungen später in ihre Bewerbung einbringen.
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Zur Person:
Roman Ritter ist gelernter Feinwerkmechanikermeister und bringt praktische Erfahrung aus dem Handwerk mit. Nach seiner Ausbildung arbeitete er als CAM-Programmierer und Konstrukteur in verschiedenen Positionen. Seit August 2025 ist er bei der Handwerkskammer Heilbronn-Franken als Berater für Nachwuchsgewinnung tätig und setzt sich dafür ein, Jugendliche für das Handwerk zu begeistern und Betriebe bei der Suche nach Auszubildenden zu unterstützen.
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Der Berufspraxistag:
In Kooperation mit der Agentur für Arbeit Heilbronn und der Handwerkskammer Heilbronn-Franken veranstaltet die experimenta am 14. November den Berufspraxistag. Er richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der achten Klasse und deren Eltern. Die Jugendlichen erfahren mehr über Ausbildungsberufe von Unternehmen aus der Region Heilbronn-Franken und können in Workshops testen, welcher Job zu ihnen passt. Aktuell gibt es noch freie Plätze für die Workshops „Boden – mehr als nur Erde“ von der Schneider Bau GmbH & Co. KG, „Montage und Installation eines solarbetriebenen Windrads“ (Kurt Betz GmbH) und „Für einen Tag im Zukunftsberuf Energieberater“ der EB Agentur.
Die Agentur für Arbeit und die Handwerkskammer sind ebenfalls vor Ort und beraten zum Thema Berufseinstieg. Außerdem können sich die Jugendlichen mit Auszubildenden der beteiligten Firmen austauschen. Der Berufspraxistag findet von 10:00 bis 16:00 Uhr statt und ist kostenlos. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt und eine Online-Anmeldung im Vorfeld erforderlich: Berufspraxistag 2026 | experimenta.
