Nina Püschel und Julia Metzger, Organisatorinnen der Expedition Elementarbildung, sitzen lächelnd im Foyer der experimenta

„Sprache ist ein Schlüssel, um die Welt zu verstehen“

1. Oktober 2026

Neugierig, fragend, staunend: Kinder entdecken die Welt auf ihre Art. Der Fachtag „Expedition Elementarbildung“ am 17. Oktober zeigt, wie pädagogische Fachkräfte sie dabei sprachlich begleiten können. Julia Metzger von der experimenta und Nina Püschel von der aim Heilbronn sind im Organisationsteam und erzählen im Interview, was die Teilnehmenden erwartet und sprechen über ihre Begeisterung für MINT-Themen.

Die Expedition Elementarbildung steht unter dem Motto „Sprechen, Staunen, Forschen – mit Sprache die Welt entdecken“. Was bedeutet Sprache für Sie, Frau Püschel?
Nina Püschel: Sprache ist für mich ein Schlüssel, um die Welt zu verstehen und Neues zu lernen. Aus meiner Berufserfahrung in der Kita weiß ich, wie viel im Gespräch mit Kindern passiert. Sprache hilft ihnen dabei, Beobachtungen auszudrücken, Fragen zu stellen und Zusammenhänge zu entdecken. Dadurch öffnet sie den Blick und stärkt die Neugier auf naturwissenschaftliche Phänomene. Deshalb gehören Sprache und MINT-Bildung für mich untrennbar zusammen.

Wie können sprachliches Lernen und naturwissenschaftliches Denken miteinander verknüpft werden, damit Kinder neugierig bleiben?
Julia Metzger: Zum einen fördern naturwissenschaftliches Denken und die Beschäftigung mit der Welt natürlich das sprachliche Lernen der Kinder – sie lernen neue Begriffe, beschreiben Beobachtungen und tauschen sich mit anderen Kindern über ihre Erfahrungen und Vorstellungen aus. Dabei stoßen sie immer wieder auf Dinge und Phänomene, für die sie noch kein Wort kennen. Das ist eine ideale Möglichkeit, um voneinander und miteinander zu lernen. Zum anderen können wir als Fachkräfte die Kinder durch Sprache zum Forschen anregen, ihnen Impulse bieten und ihnen so dabei helfen, sich die Welt zu erschließen. Sprache und naturwissenschaftliche Bildung bilden eine Symbiose und ergänzen sich gegenseitig.

Wie unterschiedlich erleben Kinder und Erwachsene die Welt?
Nina Püschel: Durch meine Arbeit in der Kita habe ich gelernt, die Welt wieder stärker aus der Perspektive von Kindern zu betrachten. Das ist mir einmal auf einer Radtour mit Freunden besonders bewusst geworden, als wir an einem Karottenfeld vorbeigekommen sind. Erwachsene fahren daran einfach vorbei. Kinder würden fragen: Wie lange brauchen Karotten zum Wachsen? Wann können wir sie ernten? Leben unter der Erde auch Regenwürmer? Kinder richten unsere Aufmerksamkeit auf Dinge, die Erwachsene im Alltag schnell übersehen. Sie schärfen unseren Blick für die kleinen Dinge und wollen sie verstehen – das finde ich an MINT-Bildung in der Kita so schön.

Julia Metzger: Erwachsene sehen die Welt leider, und ich sage hier bewusst leider, als eine Sammlung von Dingen und Phänomenen, die ihnen in ihrem bisherigen Leben begegnet sind. Sie sehen Dinge, die sie erlebt oder so gelernt haben. Kinder sind noch beim Herausfinden und Ausprobieren. Dadurch gehen sie viel offener mit Themen um und bemerken auch die vermeintlich kleinen oder unwichtigen Dinge. Diese Offenheit und das ständige Hinterfragen sind definitiv etwas, was wir von Kindern lernen können. Auch wenn das fünfte „Warum?“ vielleicht nervt, lohnt es sich, hinzuhören und sich darauf einzulassen.

Was können Kita-Fachkräfte von der Expedition Elementarbildung für ihren Alltag mitnehmen?
Nina Püschel: Ich hoffe, dass die Fachkräfte vor allem einen neugierigen Blick dafür entwickeln, wo MINT-Bildung in ihrem Alltag überall stattfindet. Viele haben bei MINT-Themen zunächst Berührungsängste, weil sie denken, dafür braucht es besonderes Fachwissen oder aufwendige Experimente. Dabei steckt MINT überall drin: in Büchern, beim Kochen und Backen, in der Bewegung oder draußen in der Natur.

Julia Metzger: Es lohnt sich, Kinder ernst zu nehmen und sich Zeit für ihre „Warum-Fragen“ zu nehmen. Darauf lässt sich sogar oft eine sinnvolle Beschäftigung aufbauen, ohne großen Aufwand. Kinder verstehen mehr, als wir ihnen oft zutrauen, wenn wir sie nur richtig begleiten. Das erfordert zwar etwas Flexibilität, aber keineswegs eine Promotion. Wie so etwas im Kita-Alltag aussehen kann, das können die Teilnehmenden an unserem Fachtag lernen.

Bei dem Fachtag gibt es acht Workshops. Welchen würden Sie selbst besuchen?
Nina Püschel: Nur einen? (lacht) Das ist schwierig! „MINT in der Küche“ finde ich besonders spannend, weil sich die Inhalte so unmittelbar in den Kita-Alltag übertragen lassen. Beim Kuchenbacken entstehen automatisch Fragen: Warum geht der Kuchen durch das Backpulver auf? Oder warum wird aus einem flüssigen Teig im Ofen ein fester Kuchen?

Julia Metzger: Ich kann allen den Workshop „Es war einmal MINT“ empfehlen. Darin steckt die Erfahrung von vielen experimenta-Kursen mit Kindern. Die Teilnehmenden erarbeiten im Workshop ein Konzept, das sie danach direkt in der Kita einsetzen können. Der Einstieg über Geschichten fällt oft leicht, da wir sie ohnehin im Alltag mit den Kindern verwenden und so Berührungsängste ausbleiben.
Selbst besuchen würde ich den Workshop „Sprache forschend entdecken“. Denn ich beschäftige mich gerne mit Informatik und KI. So wie Kinder manchmal mit Händen und Füßen versuchen, ein neues Phänomen genau zu erklären, müssen wir beim Programmieren oder Prompten exakt beschreiben, damit das System uns verstehen kann.

Der Fachtag ist ein Kooperationsprojekt der aim und der experimenta und findet bereits zum elften Mal statt. Welche gemeinsamen Pläne gibt es für die Zukunft?
Julia Metzger: Aktuell bauen wir unsere Kooperation aus und bieten ab Frühjahr 2027 eine neue Qualifizierungsmöglichkeit für pädagogische Fachkräfte in Kitas an. Sie erhalten dabei praktische Einblicke in die MINT-Bildung für ihren Arbeitsalltag. Wie man die Kinder dabei sprachlich begleiten kann, ist natürlich auch hier ein wichtiges Thema. Für das Angebot bündeln wir die Stärken von drei Partnern aus Baden-Württemberg: Neben der aim und der experimenta ist als neue Partnerin die Forscherstation Heidelberg an Bord. Sie legt ihren Schwerpunkt auf frühe naturwissenschaftliche Bildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Zur Person:

Nina Püschel studierte Grundschullehramt und arbeitete im Leitungsteam einer Kita. Im Oktober 2025 kam sie als Programm Managerin zur aim Heilbronn. Im Bereich „Frühe Bildung“ entwickelt sie Weiterbildungsangebote für pädagogische Fachkräfte. Schwerpunkt ihrer Arbeit sind MINT-Themen und die Zusammenarbeit mit der Stiftung Kinder forschen sowie Inklusion und Teilhabe.

Julia Metzger studierte Grundschullehramt mit den Fächern Mathematik und Technik. Seit 2023 ist sie in den Schülerlaboren des Science Center experimenta tätig. Dort entwickelt sie Kurse für Kita- und Schulgruppen sowie Fortbildungs- und Austauschformate für pädagogische Fachkräfte. Wichtig ist ihr, MINT-Bildung ganzheitlich zu leben und bei möglichst vielen Kindern die Faszination an Naturwissenschaften und Technik zu wecken.  

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